Versuchte Täuschung in Sachen Uran?

Ein Wissenschaftler, den es nicht gibt, widerlegt in einem Brief an den Bundestag die ICAN-Stellungnahme zur Urananreicherung. Kritiker sehen die Atomlobby am Werk.

Ein US-Wissenschaftler mit Namen Thomas C. Panto wandte sich in einem eingescannten Brief an den Deutschen Bundestag „zur völlig absurden Stellungnahme von ICAN-Deutschland“. Die Friedensinitiative hatte vor dem Umweltausschuss vor den militärischen Gefahren der Urananreicherung von Urenco im westmünsterländischen Gronau gewarnt. ICAN spricht vom Versuch der Diskreditierung durch die Atomlobby.

Urananreicherungsanlage der Fa. Urenco in Gronau (Bild: UAA Nee, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de)

Verdacht der gezielten Diskreditierung
Thomas C. Panto erweist sich als Phantom. Er gibt sich als ehemaliger Sicherheitsberater der IAEO aus und behauptet, die ICAN-Aussagen seien falsch, auch die Vorsitzende Von ICAN International, Beatrice Fihn, habe sich telefonisch davon distanziert. Das Schreiben Pantos sei nur wenige Stunden nach der ICAN-Stellungnahme eingegangen. Angesichts dieser Unklarheit verzichteten die Grünen zunächst auf eine Thematisierung im Bundestag. Recherchen der taz und von Bürgerinitiativen ergaben nun, dass die dubiose Stellungnahme jeglicher Grundlagen entbehrt.

Die ICAN-Vorsitzende Beatrice Fihn bestreitet das Telefonat. Die Mitglieder einer Bürgerinitiative gegen Urananreicherung fanden heraus, dass die US-Adresse im Briefkopf nicht stimmen kann. Laut taz-Recherchen taucht der renommierte Wissenschaftler der Physik namentlich weder in entsprechenden Datenbanken noch in den Personalunterlagen der IAEO auf. Die Fährte führt zu einem Herrn Dr. Andreas Kronenberg, Leiter eines Uran-Instituts nahe Gronau, und als solcher quasi Übermittler des Schreibens an den Bundestag. Der Brief wurde vom selben Gerät eingescannt, wie ein anderes Schreiben des Uran-Instituts. Doch Kronenberg will sich weder zum Brief noch zu seinem Institut und dem Verhältnis zu Urenco äussern und drohte der taz mit rechtlichen Schritten im Fall einer Erwähnung. „Es gibt kaum eine andere plausible Erklärung, als dass die Stellungnahme in Wirklichkeit aus Deutschland verfasst wurde“, heisst es in einer Pressemitteilung von ICAN. Es sei versucht worden, Parlament und Öffentlichkeit mit falschem Namen bewusst zu täuschen. Die Initiative fordert eine Aufklärung des Falls. IPPNW und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz rufen für den 19. April zum Ostermarsch zur Urananreicherungsanlage Gronau auf.

 

Quellen:

Atomausstieg mit einer Ausnahme, Die taz

Atomlobbyist verbreitet Unwahrheiten über ICAN, Pressemitteilung ICAN

Versuchte Urenco-Umfeld Bundestag zu täuschen?, IPPNW Artikel

 

 

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